Vision und Ziele

By admin · 3. Mai 2009 · Filed in Robert Steinbauer

etzlstorferWie viel ist schon über Visionen und Ziele geschrieben, diskutiert und nachgedacht worden. Trotzdem möchte ich mich hier auch noch einmal zum Thema äußern, weil ich überzeugt bin, dass fast immer genau hier der Schlüssel zum Gelingen liegt. 

Aus der Vision kommt die Begeisterung, durch die Energien freigesetzt werden. Ich kenne keine eindrucksvollere Demonstration der Kraft, die in einer Vision stecken kann, wie die Rede von Martin Luther King, die er am 28. August 1963 vor fast 250.000 Menschen hielt (”I have a dream“).

Auf SMARTe Ziele bin ich in meinem letzten Beitrag bereits kurz eingegangen. Ich möchte hier einen weiteren Aspekt beschreiben, den ich vor ein paar Jahren von Christoph Etzlstorfer erfahren habe. Er gibt den simplen Rat, dass man sich nicht nur “ein” Ziel setzen soll, sondern drei:

  • Ein Optimalziel
  • Ein Normalziel
  • Ein Minimalziel

Damit wird ein Vorhaben nicht zu einem “Null-Eins” Ereignis degradiert, das nur entweder gelingen kann oder anderenfalls zwangsläufig misslingen muss. Vielmehr steht eine Bandbreite zur Verfügung, die einen entsprechenden Handlungspielraum schafft.

Anstatt aber darüber zu theoretisieren, möchte ich lieber ein bemerkenswertes Beispiel aus Christophs Leben schildern:

krankenhaus1Christoph hatte mit 18 Jahren einen Sportunfall im Turnunterricht. Nach langwierigen Operationen, Rehabilitation, Schmerzen und Leiden, ist er seither an den Rollstuhl gefesselt. Es ist ihm aber gelungen, für sich diesen Schicksalsschlag anzunehmen und sein Leben darauf einzustellen. Er hat sein Handikap zur Passion gemacht und ist erfolgreicher Rollstuhl-Rennfahrer geworden. Nach etlichen Weltrekorden, hatte er noch ein großes Ziel: Die olympischen Spiele 2000 in Sydney. Gemäß seiner Philosophie setzte er sich die folgenden Ziele:

  • Optimalziel: Goldmedaille + Weltrekord im olympischen Marathon
  • Normalziel: Goldmedaille
  • Minimalziel: Olympische Medaille

ziel-sidneyNach einer konsequenten Vorbereitung kam endlich der große Tag. Alles schien zu stimmen. In der Mitte des Rennens lag Christoph gemeinsam mit seinem kanadischen Hauptkonkurrenten bereits weit in Führung. Diese ließ sich aber bis zum Ziel nicht abhängen. Beide waren deutlich auf Weltrekord-Kurs. Es kam zum dramatischen Zieleinlauf. Beide waren klar unter dem Weltrekord geblieben. Mit freiem Auge (siehe Zielfoto) konnte der Ausgang des Rennens nicht festgestellt werden. Erst die computermäßige Auswertung des Zielfotos brachte das unbarmherzige Ergebnis. Christoph war um wenige Tausendstel einer Sekunde geschlagen worden! Weniger als ein Wimpernschlag trennte damals das Optimalziel (Goldmedaille und  Weltrekord) vom Minimalziel (”nur” Silbermedaille).

zieleinlaufWie geht man mit so einer Situation um? Hat man nun sein Ziel erreicht oder stürzt eine Welt zusammen? Wie viel Kraft braucht es, ein solches Erlebnis zu verarbeiten, um daraus dann sogar eine positive Energie schöpfen zu können? Christoph ist es jedenfalls gelungen. Er hat sehr schnell seine Motivation wieder gefunden, ein neues Ziel ins Auge gefasst - und noch einmal 4 Jahre lang “reingebissen” … um dann endlich die verdiente Belohnung in Empfang nehmen zu können: Gold im olympischen Marathon 2004 in Athen!

athen

Es gibt auch ein ausführliches Interview mit Christoph Etzlstorfer auf dieser Plattform.

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