Sicherheit durch Planung?

By admin · 5. Mai 2009 · Filed in Robert Steinbauer

planenBeruflich bin ich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Projektmanagement beschäftigt. Und da ist ja genauso wie im Sport das folgende Vorgehen von entscheidender Bedeutung: Ziele definieren, alle Aktivitäten planen und entsprechend der Planung umsetzen.
Was man aber in den Managementbüchern nicht so deutlich findet, und wo es daher eine gehörige Portion Lebenserfahrung braucht, sind die folgenden Fragen:

- Was lässt sich überhaupt im Vornherein planen? Und in welcher Detaillierung?
- Wie lange muss man sich an einen Plan halten? Und wann muss man umdisponieren?
- Hat eine Planänderung mehr mit Disziplinlosigkeit oder mit Flexibilität zu tun?

Ich habe schon häufig erlebt, dass es die Leute sehr oft zu gut meinen. Dann wird viel Energie und Aufwand reinstecken, möglichst alles sehr genau im Vorfeld zu bedenken und einzuplanen. Eine kleine Änderung in den Abläufen kann dann schon ausreichen und alle Detailüberlegungen werden hinfällig. Als kleines Beispiel denke man etwa an die Planung einer 3-wöchigen Urlaubs-Rundreise mit dem Auto, bei der alle einzelnen Tagesetappenziel, Besichtigungsorte, Pausen usw. am Anfang fixiert werden. Eine kleine Panne am dritten Tag mit einem nicht eingerechneten Werkstattaufenthalt kann dann leicht dazu führen, dass man den Zeitplan nie wieder einholen kann und daher alles anders kommt.
Das soll aber kein Argument dafür sein, dass man gar nichts planen und sich nur dahintreiben lassen soll. Ganz im Gegenteil. Aber der gesunde Mittelweg ist dabei die große Kunst.

Bei meinem MdS Abenteuer habe ich diese Erfahrung (wieder einmal) machen dürfen.

Ich hatte ein klares Ziel
- Finishen als schnellster Österreicher in einer Zeit unter 30 Stunden.

Dazu habe ich mich fast ein Jahr lang intensiv mit hartem Training auf das Ereignis vorbereitet. Darüber hinaus beschäftigte ich mich auch ausführlich mit dem Thema Ernährung und Ausrüstung. Unter anderem habe ich den Rucksack und die Laufschuhe entsprechend „umgebaut”, erweitert und aufgerüstet.

Das Ergebnis:
- Ich beendete das Rennen mit einer Gesamtzeit von 28h09min und gewann damit die (inoffizielle) Österreich-Wertung.

Schaut man sich den Rennverlauf etwas genauer an, so wird meine Trainingsvorbereitung eindrucksvoll bestätigt: Wie aus dem Lehrbuch bin ich langsam gestartet, habe mir meine Kraft klug eingeteilt und konnte mich kontinuierlich verbessern. Die eingefügte Statistiken zeigen meine Platzierung nach den einzelnen Etappen sowie die Positionierung (Rückstand/Vorsprung) zu Robert Schneider, dem zweitschnellsten Österreicher.
statistik_plazierungstatistik_position

Was will man mehr - Ziel in allen Punkten erreicht, alles wie geplant gelaufen!

Wie war’s nun aber wirklich?

gurtsystem_1Ich hatte vor, den Zeitverlust durch das Umfüllen der Wasserflaschen an den Checkpoints zu minimieren. Dazu habe ich mir ein entsprechendes Halterungssystem für die originalen Wasserflaschen an den Rucksackträgern ausgedacht und mithilfe meiner Tante (einer ehemaligen Schneiderin) auch umgesetzt. Unglücklicherweise hatte ich die letzten vier Trainingswochen Probleme mit meinem rechten Sprunggelenk bekommen, sodass ich mit vollem Gepäck keine Trainingsläufe mehr absolvieren konnte. Daher kam ich zwar mit einem durchdachten, aber völlig ungetesteten Gurtsystem an den Start. Nach ca. 200 Metern stellte ich mit Schrecken fest, dass da was nicht stimmen konnte: die linke Flache hatte sich komplett gelöst, die rechte baumelte zwar noch am Träger, schleuderte aber mit jedem Schritt wild umher. Ich hatte buchstäblich alle Hände voll zu tun, die beiden Flaschen in den 12 km entfernten Checkpoint zu bringen. Auf diesem Abschnitt ging es über schwere Sanddünen, wodurch die Sache nicht wirklich erleichtert wurde. Im Checkpoint nahm ich dann zwar nur eine Wasserflasche, wodurch die Laufkoordination ein wenig erleichtert wurde. dunenIch musst aber bereits Tribut zollen: Als Folge des verkrampften Laufens und auch wahrscheinlich durch zu wenig Trinken (ich war ja mehr mit dem Tragen der Flaschen beschäftigt als mit Trinken) bekam ich nach ca. 20 Kilometer derartige Krämpfe in beiden Unterschenkel, dass ich überhaupt nicht mehr laufen konnte. So humpelte ich mehr schlecht als recht die letzten 2,5 Stunden dem Ziel entgegen. Ich war ziemlich frustriert. Im Zelt brauchte ich über 10 Minuten, um endlich aus meinen Schuhen raus zu kommen. Bei jeder kleinen Bewegung bekam ich neue Krämpfe.

robert-schneiderIch hatte als 305. bereits fast eine Stunde auf Robert Schneider, einem 23-jährigen, stets gut gelaunten Grazer und ausgezeichneten Bergläufer, verloren, der als 86 und bester Österreicher ins Ziel gekommen war. Auch mein Zeltkollege Josef Schmied war bereits seit einer halben Stunde im Zelt und ruhte sich in seinem Schlafsack aus. Er war zum 2. Mal dabei und hatte das ambitionierte Ziel, unter die ersten 100 zu kommen. Der war also ebenfalls außerhalb meiner Reichweite.
Wie sollte ich da nur die morgige Etappe durchstehen? Ich hatte nicht einmal die Muse, mir über mein Trinkflaschensystem Gedanken zu machen. Da musste mir aber unbedingt was einfallen, sonst würde ich wieder dieselben Probleme wie heute haben …

Kommentare

[...] den beiden letzen Beiträgen (1, 2) habe ich versucht, am Beispiel meines Marathon des Sables (MdS) Abenteuers zu beschreiben, [...]

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