Helmut Ziegler

Der Mensch Helmut Ziegler

dsc_0539Heli Ziegler ist ein Mann, der sich noch so einiges vorgenommen hat: Er möchte zuerst den österreichischen und dann den internationalen Schwimmsport „aufmischen”. Das Erstaunliche dabei: er befindet sich erst seit knapp zwei Jahren im Wettkampftraining und … ist Jahrgang 1969!

Ich kenne und erlebe Heli seit fast 10 Jahren als Kollege, Freund und Vorbild. Mir ist kaum jemals ein Mensch begegnet, der so geradlinig, ehrlich und mit Hausverstand an die Dinge herangeht. Dabei wählt er stets den ganzheitlichen Ansatz und gibt sich selten mit dem „Normalweg” zufrieden.

Alles was sinnvoll, interessant oder spannend erscheint, aber nicht zu kaufen gibt, wird eben selber gebaut. Probleme sind da um gelöst zu werden!

So konstruierte er bereits vor über 20 Jahren die ersten eigenen Snow-Boards, zu einer Zeit, als dieser Sport in Österreich praktisch noch unbekannt. Und das ging weiter bis heute, als er kurzerhand einen Unterwasser-Kamera-Analysewagen entwarf und realisierte, mit dem der Schwimmstil optimal beobachtet und perfektioniert werden kann.

Das Interview

Geführt am 21.6.2009 von Robert Steinbauer

IMPULS: Hallo Heli! Du bist gerade 40 geworden - Gratulation im Nachhinein. Du bist kein Mann der halben Sachen oder der faulen Kompromisse. Aber setzt man sich trotzdem gleich Ziele wie Teilnahme und Medaillen bei Europa- und evtl. auch Weltmeisterschaften, zumal man erst „kürzlich” mit dem Wettkampftraining so richtig begonnen hat?

heli_vor-dem-startHeli: Meine neuen Ziele sind eigentlich erst im letzten Jahr entstanden. Ich habe im Herbst 2007 einfach zum Ausprobieren bei den Masters-Staatsmeisterschaften teilgenommen. Für Medaillen hat es damals zwar noch nicht gereicht, aber auf jeden Fall für die Entstehung eines neuen Zieles. Ich wollte bei den Masters 2008 mindestens einen Podestplatz erreichen. Geworden sind es dann 5 Medaillen und ein noch größerer Appetit auf Meisterschaften.
Für mein Training habe ich Zeiten, die ich erreichen möchte und arbeite entsprechend an den verschiedenen Lagen.
Durch die Teilnahme an allgemeinen Schwimmbewerben (OÖ. Landesmeisterschaften, Speedo-Meeting Wels) habe ich festgestellt, dass ich mit 40 nicht nur bei dem Master schwimmen muss, sondern auch in der Allgemeinen Klasse ein weinig mitreden möchte.

IMPULS: Was waren deine bisherigen Erfolge?

Heli: 11 Medaillen bei 3 Mastermeetings, Silber und Bronze bei den OÖ. Landesmeisterschaften 2009 (Allgemeine Klasse) und Bronze über 100 Meter Kraul beim Int. Speedo-Meeting 2009 (Allgemeine Klasse)

IMPULS: Hochgesteckte Ziele sind wichtig. Wie schafft man es aber, dass die gesetzten Ziele trotzdem realistisch und (wenn auch mitunter schwer) erreichbar bleiben?

Heli: Im Schwimmsport geht es immer um die Zeit, die du für eine bestimmte Strecke benötigst. Meine Ziele formuliere ich in Zeiten, die ich bis zu einem gewissen Datum erreichen möchte. Daraus ergeben sich wieder Möglichkeiten, bei einem Event erfolgreich mitzuschwimmen.

IMPULS: Wie schaut dein Trainingsplan aus? Wer unterstützt dich dabei?

Heli: Die ersten Trainingstipps habe ich von Vereinskollegen erhalten, die mir gezeigt haben, wie und was ich trainieren kann. Mittlerweile schreibe ich meine Trainingspläne selbst und horche dabei eigentlich nur auf meinen Körper. Wenn ich einen Wochenplan geschwommen bin, nehme ich die Ergebnisse und Erfahrungen wieder in die nächste Planung hinein. Man braucht schon einige Zeit, bis man weiß, was der Körper verträgt bzw. was technisch überhaupt noch Sinn macht.
Was den Muskelaufbau und die Koordination betrifft arbeite ich mit Ralph (Feitzinger) zusammen. Er stellt mit mir Trockenprogramme zusammen, die sich mit dem Schwimmen optimal ergänzen und gibt wertvolle Tipps für abwechslungsreiches Training.
Mit einer selbstgebauten Unterwasserkamera kontrolliere und optimiere ich meine Schwimmlagen anhand von Videoanalysen.

IMPULS: Wie unterscheidet sich das Training eines 40-Jährigen von dem seiner mehr als 20 Jahre jüngeren Kollegen?

Heli: Würde ich mein Training so intensiv gestalten wie unserer jungen Leistungsschwimmer, bräuchte ich wahrscheinlich nach jedem Trainingstag 2 Tage Regenerationszeit. Ich schwimme derzeit ca. 20-25km pro Woche. Unsere Jugend schwimmt locker das doppelte Pensum.
Ich lege meinen Hauptschwerpunkt auf optimalste Technik. Der Strömungswiderstand steigt im Wasser mit der Geschwindigkeit im Quadrat. Das heißt, wenn ich meinen Wasserwiderstand verringern kann, bin ich mit gleichem Kraftaufwand schneller. Um meine Wasserlage zu verbesser trainiere ich Einheiten mit 4kg Bleigewicht im Becken. Durch diesen bewusst erzeugten Abtrieb muss der Körper dann lernen, das Becken nach oben zu bringen. Nimmt man das Gewicht nach ca. 1000m ab, hat man das Gefühl, man wird an der Badehose aus dem Wasser gezogen.

IMPULS: Wie sehen deine nächsten Ziele nun konkret aus?

heli_stehendHeli: Auf der Langestrecke möchte ich die Atterseequerung in 32 Minuten schaffen.
Im September sind in Spanien die Master-Europameisterschaften. Ich starte hier in 6 Disziplinen und möchte zumindest in einer Disziplin auf dem ‘Stockerl’ stehen. So wie es zeitlich derzeit aussieht, wird es meine Lieblings-Lage Delphin werden.
Abhängig von den Zeiten, die ich dieses Jahr noch erreichen möchte, setze ich mir dann die Ziele für 2010. Hier geistern mir schon die allgemeinen Staatsmeisterschaften im Kopf herum…

IMPULS: Wenn man seine großen Ziele erreicht, gehört das wohl zu den befriedigendsten Momenten in einem Leben. Das gibt dann auch Energie und Kraft für die nächsten Ziele. Was passiert aber, wenn man seine Ziele nicht erreicht? Wie gehst du mit Rückschlägen und Niederlagen um?

Heli: Die Niederlage tut weh, bringt mich meinem Ziel aber trotzdem näher. Ich kann aus der Niederlage lernen und sehe mein Ziel noch klarer. Ich versuche mir dabei immer ein Optimal-Ziel zu setzten, d.h. das absolut höchst erreichbare. Bei einer Niederlage kann ich mir immer noch ein Minimal-Ziel suchen, damit sich über die erbrachte Leistung zumindest eine gewisse Zufriedenheit einstellen kann.

IMPULS: Wie stehst du zum Thema Doping?

Heli: Ich finde das Doping sportlich unfair, weil es keinen ordentlichen Vergleichskampf mehr zulässt. Es ist gut, dass die Strafen höher und die Methoden es herauszufinden wesentlich besser geworden sind. Doping zerstört den Körper und dies ist nicht im Sinne des Sports.

IMPULS: Soweit ich dich kenne, lebst du ja nicht ausschließlich für den Sport. Dir ist Erfolg im Beruf und ein erfülltes Familien- und Privatleben mindestens genauso wichtig. Wie bringt man das alles zeitlich unter einen Hut?

heli_am-startHeli: Durch die Flexibilität meines Berufes kann ich in der Mittagspause trainieren. Sonst wäre dieser Umfang nicht mehr möglich.
Ich versuche auch im Kopf beide Dinge vollständig zu trennen. Wenn ich ins Wasser springe, sind alle Gedanken über den Job (z.B. Probleme, die noch zu lösen sind) weggeblendet. Umgekehrt konzentriere ich mich im Job einzig und allein auf meine Aufgabe.
Was die Familie betrifft habe ich von meiner Partnerin volle Unterstützung für Beruf und Sport. Das Wochenende gehört der Familie. Hier versuchen wir die Zeit optimal zu nutzen.
Meine Tochter schwimmt seit 2 Jahren ebenfalls im Verein und bestreitet auch Wettkämpfe. So können wir bei unserem gemeinsamen Hobby 100% der Zeit miteinander verbringen.

IMPULS: Welchen Ratschlag würdest du einem (jungen) Menschen (z.B. deiner Tochter) geben, der alles seinen sportlichen Zielen unterordnet?

Heli: Man muss immer daran denken, dass es nicht viele gibt, die mit Sport ihren Lebensunterhalt verdienen können. Darum ist es sehr wichtig ein gutes Standbein im Leben zu haben, aber auch nicht alles nur der Ausbildung und Schule unterzuordnen. Sport macht den Kopf frei und steigert damit auch die Leistungsfähigkeit in der Schule.

IMPULS: Zum Schluss noch ein paar persönliche Fragen - bewusst in einer sehr „radikalen Formulierung”: Was würdest du noch beginnen, wenn du nur mehr ein Jahr zu leben hättest?

Heli: Ich würde daran bis zum letzten Tag nicht glauben, sondern versuchen, das Gegenteil zu beweisen.

IMPULS: Was sollte einmal in deiner Grabrede über dich gesagt werden?

Heli: Ich mag keine Begräbnisse und daher auch keine Grabreden. Ich möchte, dass meine Freunde und Bekannten sich zu einer Feier treffen und einfach über alten Zeiten reden (sicher nicht am Friedhof).

IMPULS: Was würdest du machen, wenn du über unbegrenzte Geldressourcen verfügtest?

Heli: Ich würde meinen Beruf und meinen Sport miteinander verbinden und den Schwimmsport technisch und physikalisch revolutionieren. Schließlich kann ich von der Technik auch nicht die Finger lassen. Den Rest des Geldes würde ich weitergeben - gehört sowieso nur eine begrenzte Zeit zu mir.

IMPULS: Danke für das Gespräch.

IMPULS: Beruf - Sport - Privat

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